Donnerstag, 5. Februar 2026

Neue Transgender-Studie über körperliche Leistungsfähigkeit

Die Frage nach körperlichen Unterschieden insbesondere zwischen Frauen und transidenten Männern (sogenannten "Transfrauen") im sportlichen Kontext wird heute kaum noch als das behandelt, was sie im Kern ist: ein biologisches Problem. Stattdessen wird sie häufig ideologisch aufgeladen, moralisch überformt oder politisch instrumentalisiert. Dabei lassen sich zentrale Aspekte dieser Debatte prinzipiell empirisch untersuchen. Körperzusammensetzung, Muskelmasse, Kraftentwicklung und aerobe Leistungsfähigkeit sind messbare Größen, deren Veränderungen sich unter hormonellen Einflüssen systematisch erfassen lassen.

Eine kürzlich im 'British Journal of Sports Medicine' veröffentlichte Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Mendes Sieczkowska und Kollegen versucht genau das [1]. Sie bündelt die bisher verfügbare wissenschaftliche Literatur zur Körperzusammensetzung und physischen Leistungsfähigkeit transidenter Personen, sowohl im Vergleich zu nicht-transidenten Kontrollgruppen als auch im zeitlichen Verlauf gegengeschlechtlicher Hormontherapie.

Studienansatz und Datenbasis

In die Analyse flossen 52 Einzelstudien mit insgesamt knapp 6.500 untersuchten Personen ein. Erfasst wurden sowohl transidente Frauen und Männer als auch nicht-transidente Vergleichsgruppen. Die untersuchten Endpunkte umfassten typische Parameter der Leistungsphysiologie, darunter Fettmasse, magere Körpermasse, Muskelkraft und maximale Sauerstoffaufnahme. Ergänzend wurden Längsschnittdaten ausgewertet, die Veränderungen unter gegengeschlechtlicher Hormontherapie über Zeiträume von bis zu drei Jahren dokumentieren.

Methodisch handelt es sich um eine klassische Metaanalyse mit randomisierten Effekten. Die Autoren weisen allerdings selbst darauf hin, dass die eingeschlossenen Studien sowohl hinsichtlich Design, Messmethoden als auch hinsichtlich Trainingsstatus und Dauer der Hormontherapie stark heterogen sind. Dieser Punkt ist entscheidend, da er die Belastbarkeit vieler Schlussfolgerungen begrenzt.

Morphologie vs. Funktion

Ein vergleichsweise robuster Befund der Metaanalyse ist, dass "Transfrauen" im Durchschnitt eine höhere absolute magere Körpermasse aufweisen als Frauen. Das bedeutet, dass sie selbst nach mehreren Jahren Hormontherapie mehr Muskel- und fettfreie Masse besitzen. Biologisch ist dies wenig überraschend, da Muskelentwicklung während der männlichen Pubertät stark androgenabhängig ist und nicht vollständig reversibel verläuft.

Auf den ersten Blick überraschend ist jedoch, dass sich dieser morphologische Unterschied offenbar nicht konsistent in den untersuchten funktionellen Leistungsparametern widerspiegelt. Weder bei der Oberkörperkraft (ermittelt mittels Handkraft-Dynamometrie) noch bei der Unterkörperkraft (ermittelt via Countermovement-Jump) oder der maximalen Sauerstoffaufnahme zeigten sich statistisch belastbare Unterschiede zwischen Frauen und hormonbehandelten Männern. Diese Diskrepanz zwischen Körperzusammensetzung und Leistungsfähigkeit ist biologisch relevant. Sie macht deutlich, dass Muskelmasse allein kein verlässlicher Prädiktor für Kraft oder Ausdauer ist. Leistungsfähigkeit entsteht aus einem Zusammenspiel zahlreicher Faktoren, darunter neuronale Ansteuerung, Trainingshistorie, Muskelfaserzusammensetzung und kardiovaskuläre Anpassungen.

Deutliche Verschiebung durch Hormontherapie

Im Vergleich zu nicht-transidenten Männern zeigen gegengeschlechtlich behandelte Männer deutlich geringere Werte für Muskelmasse, Kraft und aerobe Leistungsfähigkeit. Diese Unterschiede sind konsistent und entsprechen den bekannten Effekten einer langfristigen Androgensuppression. "Transfrauen" bewegen sich nach Hormontherapie physiologisch in Bezug auf ihre Körperkraft und Leistungsfähigkeit somit nicht mehr in einem typisch männlichen Referenzbereich, sondern verschieben sich partiell in Richtung der weiblichen Vergleichsgruppe, auch wenn einzelne morphologische Parameter nicht vollständig angeglichen werden.

Besonders aufschlussreich sind die Längsschnittdaten. Bei transidenten Männern kommt es unter gegengeschlechtlicher Hormontherapie über ein bis drei Jahre hinweg zu einer Zunahme der Fettmasse, einer Abnahme der absoluten Muskelmasse und einer Reduktion der Oberkörperkraft. Diese Veränderungen verlaufen nicht unbegrenzt, sondern scheinen sich nach mehreren Jahren zu stabilisieren. Bei transidenten Frauen zeigt sich das umgekehrte Bild. Unter Testosterontherapie nehmen Muskelmasse und Kraft zu, während die Fettmasse abnimmt. Allerdings erreichen "Transmänner" im Durchschnitt auch nach mehreren Jahren nicht in allen Parametern das Niveau von Männern. Auch hier entsteht vielmehr ein intermediäres physiologisches Profil.

Die beobachtete Annäherung zwischen transidenten Personen nach Hormonbehandlung und dem jeweiligen Gegengeschlecht ergibt sich allerdings zum Teil aus der Wahl normalisierter Vergleichsmaße. Während "Transfrauen" im Durchschnitt eine höhere absolute fettfreie Masse aufweisen, reduzieren sich diese Unterschiede, wenn sie auf Körpergröße oder -masse bezogen werden. Solche Normalisierungen sind methodisch zwar zulässig, verändern jedoch die biologische Fragestellung. Es werden dadurch plötzlich nur noch relative statt absolute körperliche Voraussetzungen verglichen. Für sportliche Wettbewerbe, in denen reale Körper mit ihren jeweiligen Proportionen gegeneinander antreten, ist diese Unterscheidung zentral.

Diese Befunde unterstreichen einen zentralen Punkt: Hormontherapie wirkt stark, aber nicht absolut. Der menschliche Körper reagiert dynamisch auf hormonelle Milieus, bleibt jedoch durch frühere Entwicklungsphasen signifikant mitgeprägt.

Muskelmasse, Skelettanatomie und Leistungsfähigkeit

Ein oft implizit vorausgesetzter Zusammenhang wird durch diese Metaanalyse infrage gestellt: die pauschale Gleichsetzung von Muskelmasse mit sportlicher Überlegenheit. Dass hormonbehandelte Männer trotz höherer absoluter Muskelmasse keine konsistent höhere Kraft oder Ausdauer als Frauen zeigen, legt nahe, dass residuale morphologische Unterschiede funktionell begrenzt sein können. Das ist kein paradoxes Ergebnis, sondern ein Hinweis auf die Komplexität biologischer Systeme. Leistung ist keine lineare Funktion einzelner Körperparameter, sondern emergent aus vielen interagierenden Ebenen.

Bei der Diskussion körperlicher Leistungsfähigkeit wird andererseits häufig implizit angenommen, dass hormonelle Angleichung zentrale körperliche Unterschiede vollständig nivelliert. Die vorliegende Studie könnte diese Ansicht verstärken. Dabei gerät allerdings leicht aus dem Blick, dass zahlreiche leistungsrelevante Merkmale nicht primär muskulär, sondern strukturell bedingt sind. Die menschliche Skelettarchitektur wird weitgehend während der Wachstums- und Pubertätsphase festgelegt und bleibt im Erwachsenenalter auch unter veränderten Hormonmilieus weitgehend unverändert. Körpergröße, Länge der Extremitäten, Gelenkachsen, Schulterbreite oder das Verhältnis von Rumpf zu Beinlänge lassen sich durch Hormontherapie nicht nachträglich anpassen.

Diese anatomischen Parameter wirken als biomechanischer Rahmen, innerhalb dessen muskuläre und neuromuskuläre Anpassungen stattfinden. Hebelverhältnisse bestimmen, wie effektiv Kraft in Bewegung umgesetzt wird, Körperhöhe beeinflusst Reichweite und Beschleunigungspotenzial, und segmentale Proportionen wirken sich auf Laufökonomie, Sprungmechanik oder Wurfleistung aus. Solche Faktoren sind in vielen Sportarten leistungsrelevant, unabhängig davon, ob sie sich unmittelbar in klassischen Kraft- oder Ausdauermessungen niederschlagen.

Dass hormonbehandelte Männer in groben Leistungsparametern wie Griffkraft oder VO₂max keine konsistenten Unterschiede zu Frauen zeigen, bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass strukturelle Unterschiede funktionell bedeutungslos sind. Vielmehr verweist es darauf, dass Leistung nicht auf einzelne Messgrößen reduzierbar ist und dass unterschiedliche anatomische Ebenen in komplexer Weise zusammenwirken. Gerade im leistungs- oder wettkampforientierten Kontext können solche strukturellen Rahmenbedingungen an Bedeutung gewinnen, ohne sich in den von der Studie untersuchten Alltags- oder Freizeitpopulationen deutlich abzuzeichnen.

Grenzen der Aussagekraft

Für wissenschaftliche Laien wirkt auf den ersten Blick die starke Reduktion von über 1.700 identifizierten Arbeiten auf 52 eingeschlossene Studien ungewöhnlich. Tatsächlich entspricht ein solches Vorgehen jedoch dem Standard systematischer Reviews, insbesondere in jungen, interdisziplinären Forschungsfeldern. Der Großteil der Treffer entfällt auf Duplikate, nicht-quantitative Arbeiten oder Studien ohne leistungsphysiologische Endpunkte. Gleichwohl hat diese enge Selektion Konsequenzen: Die Ergebnisse gelten nur für eine klar definierte Teilpopulation und für spezifische Messgrößen. Je stärker die Auswahlkriterien eingegrenzt werden, desto höher ist zwar die interne Konsistenz, aber desto begrenzter auch die externe Aussagekraft.

Viele der eingeschlossenen Studien haben kleine Stichproben, unzureichende Kontrolle von Trainingsstatus und Lebensstilfaktoren sowie kurze Beobachtungszeiträume. Die Mehrheit der Ergebnisse basiert auf Evidenz niedriger Qualität. Nur 16 der 52 Studien erfassten körperliche Aktivität, und dies meist nur sehr grob. Daraus folgt zwangsläufig, dass sowohl alarmistische als auch beschwichtigende Pauschalaussagen wissenschaftlich nicht gedeckt sind.

Ein systematischer Unsicherheitsfaktor ist beispielsweise der mögliche Publikationsbias. Studien mit "unauffälligen" oder politisch weniger konfliktträchtigen Ergebnissen haben tendenziell bessere Chancen auf Veröffentlichung als Arbeiten, die deutliche Leistungsunterschiede nahelegen, insbesondere in einem gesellschaftlich stark polarisierten Forschungsfeld. Metaanalysen können diesen Effekt nur begrenzt ausgleichen, da sie auf der verfügbaren Literatur aufbauen und nicht-publizierte oder abgebrochenen Studien damit aus dem Raster fallen. Die Richtung und das Ausmaß eines solchen Bias lassen sich daher empirisch kaum abschätzen, sollten bei der Interpretation der Ergebnisse aber mitgedacht werden.

Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die Übertragbarkeit der Ergebnisse. Sämtliche in dieser Metaanalyse untersuchten Effekte beziehen sich auf transidente Personen, die sich unter gegengeschlechtlicher Hormontherapie befanden. Da nur Studien mit hormoneller Intervention eingeschlossen wurden, entsteht zwangsläufig ein bestimmtes Bild von "Transfrauen", das nicht repräsentativ für alle real existierenden Konstellationen ist. Die beobachtete Annäherung von Kraft, Muskelmasse und aerober Leistungsfähigkeit an nicht-transidente Vergleichswerte ist somit untrennbar an die physiologischen Effekte der Androgensuppression gekoppelt. Transidente Männer ohne hormonelle Angleichung (etwa im Rahmen rein sozialer oder rechtlicher Transition) wurden in dieser Studie nicht systematisch untersucht. Aussagen über deren körperliche Leistungsfähigkeit im Vergleich zu Frauen lassen sich aus den vorliegenden Daten daher nicht ableiten. Eine pauschale Anwendung der Ergebnisse auf alle Personen, die sich als das andere Geschlecht definieren, wäre aus wissenschaftlicher Sicht somit nicht gerechtfertigt.

Die Autoren kommen in ihrer Konklusion zu dem Schluss, dass die verfügbare Evidenz keine inhärente sportliche Überlegenheit transidenter Männer gegenüber Frauen stützt:

"Current evidence is mostly low certainty and has heterogenous quality but does not support theories of inherent athletic advantages for transgender women over cisgender."

Sie lassen dabei aus wissenschaftsrhetorischen Gründen offen, dass ihre Ergebnisse auch keine positive Aussage über Gleichstellung erlauben. Angesichts der überwiegend niedrigen Evidenzqualität gilt die Nichtaussagekraft nämlich ebenso für die gegenteilige Annahme einer vollständigen leistungsphysiologischen Angleichung von "Transfrauen" an Frauen. Die vorliegenden Daten erlauben derzeit weder die Bestätigung pauschaler Vorteilshypothesen noch deren endgültige Entkräftung. Wenn die Evidenz nicht ausreicht, um Hypothese A ("inhärente Überlegenheit") zu stützen, dann reicht sie folgerichtig ebenso wenig, um Hypothese B ("funktionelle Gleichstellung") zu stützen.

Frühentwicklung, Pubertät und die Grenzen von Hormontherapie

Die Ergebnisse der vorliegenden Metaanalyse lassen sich nur dann angemessen einordnen, wenn sie in einen breiteren sexualbiologischen Kontext gestellt werden. Bereits seit Jahrzehnten ist gut belegt, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in Kraft und motorischer Leistungsfähigkeit nicht erst im Erwachsenenalter entstehen. Meta-analytische Arbeiten wie jene von Thomas und French (1985) [2] sowie eine aktuelle, deutlich umfangreichere Analyse von Nuzzo (2025) [3] zeigen, dass Jungen im Durchschnitt bereits vor der Pubertät höhere Kraftwerte aufweisen als Mädchen und dass sich diese Unterschiede mit dem Einsetzen der männlichen Pubertät stark vergrößern. Diese Effekte sind kulturübergreifend stabil und lassen sich nicht plausibel allein durch Training oder soziale Faktoren erklären.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu betonen, dass die hier diskutierte Metaanalyse von Mendes Sieczkowska et al. einen anderen biologischen Abschnitt adressiert. Sie untersucht erwachsene transidente Personen unter gegengeschlechtlicher Hormontherapie und liefert Hinweise darauf, dass sich bestimmte Leistungsparameter funktionell an Vergleichswerte des jeweils angestrebten Geschlechts annähern können. Sie trifft jedoch keine Aussage darüber, in welchem Ausmaß früh erworbene leistungsrelevante Eigenschaften vollständig kompensiert oder funktionell neutralisiert werden. Daraus ergibt sich kein Widerspruch. Die verfügbaren Daten sprechen lediglich gegen einfache Annahmen einer pauschalen Überlegenheit, rechtfertigen aber ebenso wenig die Annahme einer vollständigen biologischen Gleichstellung unter allen sportlichen Bedingungen. Die Frage nach fairen Wettbewerbsbedingungen im Frauensport bleibt damit eine empirische – und eine offene!

Weiterer Forschungsbedarf

Die vorliegende Studie liefert zwar wertvolle Hinweise zur körperlichen Leistungsfähigkeit transidenter Personen unter gegengeschlechtlicher Hormontherapie, sie kann jedoch zentrale Fragen nicht beantworten, die vor allem für den Leistungssport relevant sind.

Ein wesentlicher Punkt betrifft die untersuchte Population. Der überwiegende Teil der verfügbaren Daten stammt aus Freizeit- oder Allgemeinpopulationen. Hochleistungs- oder Wettkampfsportler sind kaum vertreten. In diesen Gruppen ist körperliche Aktivität meist moderat, unspezifisch und nicht systematisch leistungsorientiert. Ob sich die beobachtete funktionelle Annäherung unter Bedingungen intensiven, langjährigen Trainings ebenso zeigt oder ob sich dort selbst geringe biologische Unterschiede stärker auswirken, bleibt offen. Gerade im Leistungssport können kleine physiologische Vorteile wettkampfrelevant sein. Leistungssport ist kein neutraler Kontext. Er wirkt wie ein biologischer Verstärker. Systematisches, langjähriges Kraft- oder Schnellkrafttraining selektiert und amplifiziert genau jene Eigenschaften, die für Leistungsfähigkeit relevant sind. Gegengeschlechtliche Hormontherapie reduziert zwar Muskelmasse und Kraftpotenzial, sie löscht diese strukturellen Voraussetzungen aber nicht vollständig aus. Unter Alltagsbedingungen mag das funktionell wenig ins Gewicht fallen; unter Hochbelastung könnte derselbe Unterschied jedoch stärker wirksam werden. Wenn transidente Studienteilnehmer, im Mittel weniger sportlich waren, oder weniger leistungsorientiert sozialisiert wurden, dann kann das Unterschiede nivellieren. Muskelkraftmessungen hängen außerdem stark von Faktoren wie Motivation oder Schmerz- und Ermüdungstoleranz ab. Die Performance von Studienteilnehmern kann sich aufgrund dieser Faktoren deutlich von der von Leistungssportlern während einer Wettkampfsituation unterscheiden. Wenn keine objektiven Kontrollmechanismen eingesetzt werden, ist die Diskrepanz "mehr Muskelmasse, aber nicht mehr Kraft" nicht zwingend biologisch, sondern könnte messmethodisch bedingt sein.

Hinzu kommt, dass die erfassten Leistungsparameter vergleichsweise grob sind. Griffkraft, Sprunghöhe oder maximale Sauerstoffaufnahme sind etablierte, aber unspezifische Maße, die nur begrenzt Rückschlüsse auf sportartspezifische Leistungsfähigkeit zulassen. Die Beobachtung, dass "Transfrauen" keinen signifikanten Vorteil gegenüber Frauen haben, gilt somit nur für Einzelparameter der allgemeinen Fitness, nicht zwingend für kompetitive Leistungsfähigkeit. Für eine fundierte Beurteilung wären differenzierte Daten zu Schnelligkeit, Explosivkraft, Kraftausdauer, Reaktionsfähigkeit und Bewegungsökonomie erforderlich, jeweils angepasst an unterschiedliche Sportarten.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die zeitliche Dimension. Die meisten Längsschnittstudien erfassen Veränderungen über Zeiträume von ein bis drei Jahren nach Beginn der Hormontherapie. Ob und in welchem Ausmaß sich leistungsrelevante Parameter über längere Zeiträume weiter verändern oder stabilisieren, ist bislang unzureichend untersucht. Gibt es nichtlineare Anpassungen von Sehnen, Muskelfasertypen, neuromuskulärer Koordination? Die Erkenntnisse der Studie sind somit zeitlich begrenzt valide, nicht zwingend langfristig. Notwendig wären langfristige, sportartspezifische Untersuchungen an gut charakterisierten Populationen, die Trainingsstatus, hormonelle Exposition und Entwicklungsverläufe systematisch berücksichtigen. Erst auf dieser Basis lassen sich Aussagen treffen, die über allgemeine Tendenzen hinausgehen und der biologischen Komplexität des Themas gerecht werden.

Fazit

Die Daten von Mendes Sieczkowska et al. (2026) legen nahe, dass bei Männern unter gegengeschlechtlicher Hormontherapie persistierende Unterschiede in der absoluten Muskelmasse nicht zuverlässig mit höheren allgemeinen Kraft- oder Ausdauerleistungen einhergehen. Sie liefern somit keinen belastbaren Hinweis auf eine pauschale, hormontherapie-resistente körperliche Leistungsüberlegenheit dieser Männer gegenüber Frauen in Bezug auf allgemeine Fitnessparameter im Alltags- und Freizeitsportkontext. Ein wesentlicher Teil der berichteten "Gleichheit" entsteht allerdings dadurch, dass Unterschiede in Körpergröße und -masse statistisch nivelliert wurden. Gleichzeitig ist die Aussagekraft aufgrund niedriger Evidenzqualität und begrenzter Leistungsmaße derart eingeschränkt, dass entgegengesetzte Pauschalaussagen zu einer vollständigen Angleichung des Leistungsniveaus von androgensuppressierten Männern an das von Frauen insbesondere im Leistungssport genauso wenig wissenschaftlich gedeckt sind. Zumal die Studie einerseits physikalische Parameter der Skelettanatomie ignoriert und noch dazu deutlich zeigt, dass gegengeschlechtliche Hormontherapie biologische Unterschiede nicht vollständig aufhebt. Geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen also in der Realität fort, ihre funktionelle Relevanz bleibt jedoch kontextabhängig.

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Quellen

[1] Mendes Sieczkowska S, Caruso Mazzolani B, Reis Coimbra D, et al Body composition and physical fitness in transgender versus cisgender individuals: a systematic review with meta-analysis British Journal of Sports Medicine Published Online First: 03 February 2026. doi: 10.1136/bjsports-2025-110239

[2] Nuzzo, J.L. (2025), Sex Differences in Grip Strength From Birth to Age 16: A Meta-Analysis. Eur J Sport Sci, 25: e12268. https://doi.org/10.1002/ejsc.12268

[3] Thomas, J. R., & French, K. E. (1985). Gender differences across age in motor performance: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 98(2), 260–282. https://doi.org/10.1037/0033-2909.98.2.260

1 Kommentar:

  1. Danke für diese sachliche und kompetente Einordnung. Die Trans-Bubble sieht diese "Studie" als Beleg, dass Männer ihr Geschlecht wechseln. Dabei zeigt sie bloß, dass sie mit Hormonen ihre männliche Leistungsfähigkeit zerstören.

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