Donnerstag, 21. Mai 2026
Sexuell übertragbare Infektionen in Europa auf Rekordniveau
Mittwoch, 20. Mai 2026
Schwierige Geburt ist kein menschliches Alleinstellungsmerkmal
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| Nicht nur beim Menschen: Schwierige Geburten kommen bei vielen Plazentatieren vor. (Bild von Carrie Z auf Pixabay) |
Die "obstetrische Zwickmühle" auf dem Prüfstand
Schwierige Geburten sind im Tierreich erstaunlich verbreitet
Reproduktiver Trade-off
Gehirngröße erklärt nicht alles
Gleiche Risikofaktoren verbinden Menschen und andere Säugetiere
Fazit
Quellen
Dienstag, 19. Mai 2026
Viren im Sperma: Hantaviren sexualbiologisch betrachtet
Ein Sonderfall unter den Hantaviren
Der männliche Reproduktionstrakt als biologischer Rückzugsraum
Was bedeutet "nachweisbar"?
Fazit
Quellen
Montag, 18. Mai 2026
Im Labor erzeugte Spermien, ein Wendepunkt der Reproduktionsmedizin?
Der lange Weg zum Spermium
Hoffnung für Männer ohne nachweisbare Spermien
Embryonen aus Laborspermien?
Fazit
Quellen
Donnerstag, 14. Mai 2026
Neuer Name für das Polyzystische Ovarialsyndrom
Was ist PCOS bzw. PMOS?
Das bisher unter dem Namen PCOS bekannte Syndrom betrifft vor allem Frauen im gebärfähigen Alter. Etwa eine von acht Frauen ist betroffen. Die Erkrankung ist mit Störungen des Hormonhaushalts verbunden und kann sich sehr unterschiedlich äußern. Häufig treten Zyklusstörungen, unerfüllter Kinderwunsch, Akne, vermehrte Körperbehaarung oder Gewichtszunahme auf. Auch Stoffwechselprobleme wie Insulinresistenz, Bluthochdruck oder ein erhöhtes Risiko für Diabetes gehören dazu. Darüber hinaus berichten viele Betroffene über psychische Belastungen wie Depressionen, Angststörungen oder Essstörungen.Die bisherige Bezeichnung "Polyzystisches Ovarialsyndrom" war allerdings schon lange umstritten. Zum einen haben nicht alle Betroffenen tatsächlich Zysten an den Eierstöcken. Zum anderen reduziert der Name die Erkrankung stark auf die Fortpflanzungsorgane, obwohl sie den gesamten Organismus betreffen kann. Genau hier setzt die neue Bezeichnung an.
Hintergrund der Umbenennung
Ein internationales Wissenschaftskonsortium hat am 12. Mai im führenden medizinischen Fachjournal 'The Lancet' vorgeschlagen, die Erkrankung künftig "Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom" zu nennen, kurz PMOS [1]. Die neue Bezeichnung soll die hormonellen ("polyendokrin") und stoffwechselbezogenen ("metabolisch") Aspekte der Erkrankung stärker in den Vordergrund rücken. Die Forscher argumentieren, dass der bisherige Name medizinisch irreführend sei. Er könne dazu beitragen, dass Beschwerden unterschätzt oder Fehldiagnosen gestellt werden. Außerdem verweise der Begriff ausschließlich auf Eierstöcke, obwohl manche wissenschaftlichen Hinweise darauf hindeuten, dass bestimmte genetische oder hormonelle Merkmale auch bei Männern auftreten könnten.Mit der Umbenennung verbinden die Fachleute mehrere Hoffnungen: mehr Aufmerksamkeit für die Erkrankung, weniger Stigmatisierung und eine bessere medizinische Versorgung. Auch die Forschung könnte profitieren, etwa bei der Suche nach genetischen Ursachen oder neuen Therapieansätzen. Bislang existiert keine speziell zugelassene Standardtherapie für die Erkrankung.
Zwischen Reproduktionsmedizin und gesellschaftlichen Erwartungen
Ein besonders sensibler Punkt der Debatte betrifft den starken Reproduktionsbezug der bisherigen Bezeichnung. Diese lenkt den Blick vor allem auf Eierstöcke, Zyklus und Fruchtbarkeit. Genau das wurde im internationalen Konsensprozess vielfach kritisiert. Viele Betroffene berichteten, dass sie sich durch die Bezeichnung auf ihre Fortpflanzungsfähigkeit reduziert fühlten. Gerade in Gesellschaften, in denen Mutterschaft eng mit weiblicher Identität verknüpft wird, kann dies zusätzlichen Druck und Stigmatisierung erzeugen. Die Forscher betonen deshalb, dass PMOS nicht nur eine gynäkologische Erkrankung ist. Der neue Name soll helfen, den Blick von einer rein reproduktionsbezogenen Perspektive zu lösen und die vielfältigen gesundheitlichen Auswirkungen stärker sichtbar zu machen.Interessant ist zudem, dass im Konsensprozess intensiv darüber diskutiert wurde, welche Begriffe kulturell angemessen und möglichst wenig stigmatisierend sind. Einige Vorschläge wurden verworfen, weil sie in bestimmten kulturellen Kontexten problematisch erschienen oder missverstanden werden konnten. So wurde das vorgeschlagene Akronym "EMOS" verworfen, weil es kulturell mit der Emo-Subkultur assoziiert wurde.
Reicht ein neuer Name aus?
So nachvollziehbar die Gründe für die Umbenennung sind, bleibt die Frage, ob ein neuer Name allein tatsächlich etwas verändert. Kritiker der bereits lange diskutierten Namensänderung weisen darauf hin, dass viele Probleme von Betroffenen tiefer liegen. Lange Wartezeiten auf Diagnosen, fehlendes Wissen in der medizinischen Praxis und eine oftmals unzureichende psychosoziale Betreuung lassen sich durch eine Namensänderung nicht wettmachen.Die neue Bezeichnung wirkt auf den ersten Blick nicht minder kompliziert und medizinisch-technisch. Es ist fraglich, ob PMOS für Betroffene leichter verständlich oder weniger belastend ist als PCOS. Zudem besteht die Gefahr, dass eine bloße sprachliche Veränderung als Fortschritt präsentiert wird, ohne dass sich die konkrete Versorgung verbessert. Wenn die neue Bezeichnung andererseits dazu beiträgt, PMOS stärker als komplexe hormonelle und metabolische Erkrankung anzuerkennen, könnte dies langfristig auch zu mehr Forschung und besserer Unterstützung führen.
Fazit
Die Umbenennung von PCOS in PMOS markiert einen wichtigen Schritt in der medizinischen Diskussion um eine oft missverstandene Erkrankung. Der neue Name soll verdeutlichen, dass es sich nicht nur um ein gynäkologisches Problem handelt, sondern um eine komplexe Störung mit Auswirkungen auf Hormonsystem, Stoffwechsel und psychische Gesundheit. Ob sich dadurch tatsächlich die Situation der Betroffenen verbessert, wird sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen.Quellen
Dienstag, 12. Mai 2026
Verändert gegengeschlechtliche Hormontherapie die Persönlichkeit?
Kerninhalt der Studie
Methodik
Testosteron und sinkender Neurotizismus
Mehr emotionale Offenheit bei Transfrauen
Persönlichkeit bleibt insgesamt erstaunlich stabil
Ergänzung bekannter Befunde
Die Grenzen der Studie
Fazit
Quellen
Montag, 11. Mai 2026
Neue Hinweise zur Rolle von Androgenen bei Hirntumoren
Androgenmangel lässt Hirntumoren schneller wachsen
Was ist die Ursache?
Was bedeutet das für den Menschen?
Fazit
Quellen
Samstag, 9. Mai 2026
Zwischen Diskurs und Ideologie: Meine ersten Tage auf Bluesky
Sprecher & Mitgründer der IG Sexualbiologie
In den vergangenen Jahren war zu beobachten, wie zahlreiche wissenschaftliche Organisationen und einzelne Forscher die Plattform X verließen und zu Bluesky wechselten. Begründet wurde dieser Exodus häufig mit dem Argument, dass das Diskussionsklima auf X zunehmend verrohe und sachliche Debatten dort kaum noch möglich seien. Eine Studie von Shiffman & Wester (2025) untersuchte diese Entwicklung bereits systematisch und wurde in einem früheren Blogpost vorgestellt (siehe Der wissenschaftliche Exodus von X zu Bluesky). Die dort beschriebenen Dynamiken weckten schließlich auch meine eigene wissenschaftliche Neugier. Ich wollte mir selbst ein Bild davon machen, wie sich Diskurse auf Bluesky tatsächlich gestalten und meldete mich deshalb vor wenigen Tagen dort an.
Erste Irritation
Nach der Einrichtung meines Profils teilte ich zunächst ganz unbefangen unseren aktuellsten Blogpost über den Auftritt von Leonie Plaar bei Jan Fleischhauer sowie die Reaktion von Marie-Luise Vollbrecht darauf (siehe Aktivistische Pseudowissenschaft im ZDF: Leonie Plaar zu Gast bei Jan Fleischhauer). Zwar bin ich nicht selbst Autor dieses Artikels, als Sprecher unserer IG vertrete ich die darin formulierten Inhalte jedoch selbstverständlich.Unter dem Beitrag kommentierte kurz darauf eine Person und verwies auf Aussagen Vollbrechts auf X. Konkret zitierte sie folgenden Beitrag:
Es stört mich wirklich, wenn Leute immer von "die WISSENSCHAFT" reden als wär das irgendso eine heidnische unfehlbare Gottheit und so tun als seine Wissenschaftler so moderne Priester und Prediger und wir müssen uns jetzt nur einigen wer die wirklich
— Frau Marie 🐦 (@Frollein_VogelV) February 15, 2024
Vollbrecht hat ja recht, dass es "die Wissenschaft" als Instanz nicht gibt. Jeder der "die Wissenschaft" als Autoritätsargument in Debatten einbringt, hat die wissenschaftliche Methode nicht verstanden. Und Konsens ist im Grunde der Tod von Wissenschaft. Hier punktet sie also gegenüber Plaar. 1/2
— Marco Bergmann (@citizenlifescy.bsky.social) 8. Mai 2026 um 16:47
Trotzdem ist mein Eindruck, dass Vollbrecht kluge Dinge sagt, jedoch mitunter anders agiert. Zur wissenschaftlichen Methode gehört z. B. auch, eigene Thesen zu verteidigen. Dass sie nicht an der Podiumsdiskussion nach dem Vortrag teilnehmen wollte, zeugte nicht gerade von Falsifikationswillen. 2/2
— Marco Bergmann (@citizenlifescy.bsky.social) 8. Mai 2026 um 16:47
Blocklisten als Instrument sozialer Abschottung
Innerhalb kürzester Zeit wurde ich von zahlreichen Nutzern blockiert und landete auf mehreren Blocklisten, ohne dass zuvor überhaupt irgendeine direkte Interaktion stattgefunden hatte. Dieses Verhalten widerspricht meinem Verständnis eines offenen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurses. Bluesky bietet mit sogenannten "Moderationslisten" ein technisches Instrument, mit dem sich Personen gesammelt und proaktiv aus Diskussionen ausschließen lassen. Natürlich hat jeder das Recht, seine eigenen Grenzen im digitalen Raum zu ziehen. Auffällig ist jedoch, wie schnell solche Listen offenbar dazu genutzt werden, Menschen pauschal bestimmten ideologischen Kategorien zuzuordnen.So fand ich mich plötzlich auf Listen wieder, auf denen neben Trollen, Spam-Bots und Rechtsextremisten auch Begriffe wie "anti-vaxxers", "bigots", "TERFs", "anti-LGBT" oder ähnliche Sammelkategorien auftauchten. Das hat durchaus eine gewisse Ironie. Als schwuler Mann mit transidenten Personen im Freundeskreis empfand ich diese Zuschreibungen eher als absurd als als beleidigend. Interessant war für mich dabei weniger die persönliche Betroffenheit als vielmehr die Dynamik dahinter. Offenbar reicht bereits die Feststellung, dass es beim Menschen zwei reproduktive Rollen gibt oder dass Wissenschaft kein sakrosanktes Autoritätskonstrukt ist, um in bestimmten digitalen Milieus als verdächtig zu gelten.
Ideologische Blasen und die Angst vor Widerspruch
Mit etwas Abstand betrachtet, kann man solchen Entwicklungen fast dankbar begegnen. Menschen, die abweichende Positionen reflexhaft ausblenden möchten, entfernen sich letztlich selbst aus dem Diskurs. Wer Diskussionen primär über moralische Kategorisierung und Kontaktschuld statt über valide Argumente führt, schafft sich zwangsläufig eine kommunikative Blase. Bluesky erleichtert diese Form sozialer Abschottung technisch erheblich. Die Möglichkeit, ganze Nutzergruppen kollektiv auszublenden, sorgt dafür, dass man sich fast ausschließlich innerhalb ideologisch homogener Räume bewegt. Das reduziert Reibung, verhindert aber häufig auch ernsthafte Auseinandersetzungen mit Gegenargumenten.Da dieses Instrument existiert, nutze ich es inzwischen ebenfalls und stelle eine entsprechende Moderationsliste mit dem Titel "Wissenschaftsfeinde, Ideologen und sonstige Diskursverweigerer" zur Verfügung. Allerdings unterscheidet sich mein Ansatz in einem wesentlichen Punkt: Niemand landet dort bloß deshalb, weil er eine andere Weltanschauung vertritt oder sachlich widerspricht. Die Liste ist für Leute vorgesehen, die sich aufgrund ihrer ideologischen und damit intrinsisch wissenschaftsfeindlichen Weltanschauung so sehr vor Gegenstimmen fürchten, dass sie sich selbst hinter eine "Brandmauer" begeben. Ich unterstütze sie also lediglich dabei, dass diese Entscheidung von Dauer ist.
Perspektivisch werden auf dieser Liste nicht nur Gender-Ideologen landen, denn meine Erfahrungen aus anderen sozialen Netzwerken zeigen, dass sich bestimmte psychologische Mechanismen erstaunlich ähneln. Ob es um Kreationismus, Flacherdmodelle, esoterische Heilslehren wie Homöopathie oder andere Formen dogmatischer Weltbilder geht, die Reaktionen auf kognitive Dissonanzen folgen häufig vergleichbaren Mustern.
Fazit
Meine ersten Tage auf Bluesky verliefen jedenfalls anders als erwartet. Eigentlich wollte ich mir ein Bild davon machen, ob die Plattform tatsächlich ein besseres Umfeld für wissenschaftlichen Austausch bietet als X. Stattdessen wurde ich innerhalb weniger Tage von inzwischen mehr als 5.800 Nutzern blockiert, im Wesentlichen wegen zweier Aussagen: dass es beim Menschen zwei reproduktive Rollen gibt und dass es "die Wissenschaft" als unfehlbare Instanz nicht gibt. Wenn bereits solche Positionen genügen, um automatisiert aus Teilen eines sozialen Netzwerks ausgeschlossen zu werden, wirft das durchaus Fragen über die dortige Diskurskultur auf. Bluesky wird in den kommenden Jahren vermutlich noch deutlicher zeigen, ob es tatsächlich ein Raum für offenen wissenschaftlichen Austausch sein kann oder eher ein Netzwerk, in dem ideologische Homogenität zum sozialen Standard wird. Spannend zu beobachten bleibt es in jedem Fall.Nachtrag (20.05.2026):
Donnerstag, 7. Mai 2026
Aktivistische Pseudowissenschaft im ZDF: Leonie Plaar zu Gast bei Jan Fleischhauer
Zu Gast bei Jan Fleischhauer war die Aktivistin Leonie Plaar. Im Verlauf der Sendung kam erneut der inzwischen viel diskutierte Fall von Marie-Luise Vollbrecht zur Sprache, den wir bereits an anderer Stelle ausführlich behandelt haben (siehe Die Causa Vollbrecht und das Kiwi-Emoji 🥝).
Wenn Meinungsfreiheit zur Desinformation wird
Reaktion von Marie-Luise Vollbrecht
Was Vollbrecht auslässt
Naturalistische Fehlschlüsse
Zwei Seiten derselben Medaille
Fazit
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