Freitag, 16. Januar 2026

USA: Ärztin windet sich um Antwort auf die Frage "Können Männer schwanger werden?"

Eine Anhörung zum Thema Abtreibung im US-Senat hat für internationale Aufmerksamkeit gesorgt – weniger wegen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zur reproduktiven Medizin, sondern wegen einer scheinbar einfachen Frage: "Can men get pregnant?" – Können Männer schwanger werden?


Was war geschehen?

Im Rahmen einer Sitzung des US-Senatsausschusses für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten (HELP Committee) zur Sicherheit medikamentöser Schwangerschaftsabbrüche sagte die indisch-amerikanische Gynäkologin und Reproduktionsmedizinerin Nisha Verma aus, die von den Demokraten als Expertin geladen wurde. Sie betonte, dass Abtreibungsmedikamente seit Jahrzehnten umfassend erforscht seien und millionenfach sicher angewendet wurden. Ihre Kernaussage zielte auf evidenzbasierte Medizin und auf die negativen Folgen politisch motivierter Einschränkungen für die Gesundheitsversorgung.

Die Anhörung nahm jedoch eine bemerkenswerte Wendung, als Senator Josh Hawley Verma wiederholt fragte, ob Männer schwanger werden könnten. Hawley verstand seine Frage ausdrücklich als Test biologischer Grundannahmen und verlangte eine klare Ja-oder-Nein-Antwort. Verma hingegen wich der Frage mehrmals aus – mehr als vier Minuten lang. Sie verwies darauf, dass sie in ihrer ärztlichen Praxis Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten betreue und dass solche Fragen oft politisch aufgeladen seien, statt der medizinischen Realität gerecht zu werden.

Senator Hawley nutzte die Situation, um Verma mangelnde wissenschaftliche Klarheit vorzuwerfen. Verma wiederum betonte, dass Medizin nicht allein aus schematischen Kategorien bestehe, sondern aus der verantwortungsvollen Versorgung realer Menschen mit komplexen Lebensrealitäten. Beide Seiten reklamierten für sich, "der Wissenschaft" zu folgen, setzten jedoch unterschiedliche Schwerpunkte: der Senator auf biologische Realität, die Ärztin auf klinische Praxis und patientenzentrierte Perspektiven.

Präzisierung machte es nicht besser

Nachdem Verma auf Geschlechtsidentitäten verwiesen hatte, stellte Senator Hawley ausdrücklich klar, dass er biologische Männer meine. Auch auf diese Konkretisierung ging Verma nicht mit einer direkten Antwort ein, sondern versuchte, den Fokus wieder auf das eigentliche Thema der Anhörung zu lenken – die Sicherheit medikamentöser Schwangerschaftsabbrüche. Hawley hielt dem entgegen, es gehe der Klarstellung halber darum festzuhalten, dass es Frauen seien, die schwanger werden, nicht Männer. Zudem betonte er erneut, dass die Sitzung dem Schutz von biologischen Frauen diene und verwies auf Studien, die seiner Ansicht nach relevante gesundheitliche Risiken der Abtreibungsmedikamente belegten. Diese Passage machte deutlich, dass sich die Auseinandersetzung nicht nur an Begriffen entzündete, sondern auch daran, welche Fragen in einem wissenschaftspolitischen Kontext überhaupt als legitim gelten sollen.

Vermas konsequentes Ausweichen verlieh der Szene eine unfreiwillig komische Note. Hätte sie die Position vertreten, dass Frauen, die sich als Männer identifizieren, im relevanten Sinn Männer sind, hätte sie die Frage nach der Schwangerschaftsfähigkeit von Männern problemlos bejahen können. Hätte sie hingegen die biologische Ebene in den Vordergrund stellen wollen, wäre ein klares Nein ebenso möglich gewesen – verbunden mit dem Hinweis, dass Fragen der Geschlechtsidentität davon unberührt bleiben und für die medizinische Versorgung transgeschlechtlicher Menschen dennoch relevant sind. Dass sie jedoch selbst nach mehrfacher Präzisierung der Frage über Minuten hinweg keine dieser beiden Linien wählte, sondern stets auswich und auf den ursprünglichen Anhörungskontext zurücklenkte, wirkte regelrecht befremdlich. Für viele Beobachter entstand so weniger der Eindruck wissenschaftlicher Differenziertheit als vielmehr der einer kommunikativen Blockade, in der einfache Klarstellungen aus Angst vor politischer Vereinnahmung vermieden wurden.

Bereits vor dem Wortwechsel mit Senator Hawley war die Frage nach der Schwangerschaftsfähigkeit von Männern im Anhörungsverlauf aufgekommen. Die republikanische Senatorin Ashley Moody aus Florida richtete sie zunächst direkt an Verma. Nachdem diese sie formell korrigiert hatte ("Dr. Verma" statt "Miss Verma"), wiederholte Moody die Frage. Verma reagierte erneut mit einer Pause und ohne klare Antwort. Daraufhin gab Moody die Frage an andere anwesende medizinische Sachverständige weiter, die sie jeweils eindeutig mit "nein" beantworteten. 


Diese kurze Sequenz unterstrich, dass es innerhalb der Expertenrunde durchaus Bereitschaft gab, die biologische Ebene klar zu benennen – und verstärkte zugleich den Kontrast zu Vermas Kommunikationsstrategie.

Fazit

Aus Sicht der Sexualbiologie ist die Antwort eindeutig: Schwangerschaft ist an bestimmte biologische Voraussetzungen gebunden, die dem weiblichen Geschlecht vorbehalten sind. Frauen, die sich als Männer identifizieren, besitzen diese Voraussetzungen grundsätzlich ebenfalls und können daher schwanger werden. Männern ist dies jedoch nicht möglich.

Der Vorfall zeigt weniger eine "Krise der Wissenschaft" als vielmehr eine Krise der Kommunikation über Wissenschaft. Für eine informierte Öffentlichkeit bleibt es entscheidend, Begriffe sauber zu trennen, biologische Fakten verständlich zu erklären und dabei die Vielfalt menschlicher Lebensrealitäten nicht auszublenden.

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