Mittwoch, 27. Mai 2026

Linke außer Rand und Band

Meinungsbeitrag von Marco Bergmann
Sprecher & Mitgründer der IG Sexualbiologie

Der Club Volantaire, ein linksliberales Debattenformat, wollte am 29. Mai 2026 in Hamburg eine Veranstaltung mit dem Titel "Was ist eine Frau? Feminismus außer Rand und Band" durchführen. Die Diskussion sollte queerpolitische Einflüsse auf Frauenrechte kritisch beleuchten. Stattdessen wurde die Veranstaltung durch Druck von außen zum Symbol für die zunehmende Einengung von Debattenräumen.


Was ist geschehen?

Die Veranstalter hatten zunächst eine Lokalität in Hamburg-Ottensen gebucht. Kurz vor dem Termin zog der Betreiber jedoch zurück. Er fürchtete wirtschaftliche Schäden durch Rufschädigung oder mögliche Ausschreitungen in einem Milieu, das für queerpolitische Positionen empfänglich ist. Trotz intensiver Suche gelang es nicht, einen alternativen öffentlichen Veranstaltungsort in Hamburg zu finden. Viele Betreiber lehnten ab – teils aus Kostengründen, teils aus Sorge vor negativen Konsequenzen. Schließlich bot Massengeschmack.TV den Veranstaltern "Asyl", wie sie an Montag auf X bekanntgaben:


Die Podiumsdiskussion findet nun also nicht öffentlich statt, soll aber später online ausgestrahlt werden.

Die Panelistinnen: Vielfalt gegen Ideologie

Die Zusammensetzung des Podiums aus vier biologisch weiblichen Personen mit sehr unterschiedlichen Biografien und Perspektiven macht den Cancel-Versuch besonders absurd:

Inge Bell, Frauenrechtlerin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes sowie langjährige Kämpferin gegen Menschenhandel, bringt jahrzehntelange praktische Erfahrung in der Frauenrechtsarbeit ein. Als ehemalige stellvertretende Vorstandsvorsitzende von TERRE DES FEMMES Menschenrechte für die Frau e. V. und Expertin für Opferschutz bei der Polizei betont sie unmissverständlich: "Wer nicht sagen kann, was eine Frau ist, kann auch keine Frauenrechte verteidigen. Ohne klare Begriffe gibt es keine klaren Rechte – und keinen Schutz."

Die Professorin für Mikrobielle Immunologie Ilse Jacobsen steht für die naturwissenschaftliche Perspektive. Die habilitierte Wissenschaftlerin erinnert daran, dass Frauen nicht benachteiligt werden, weil sie sich als Frau identifizieren, sondern weil nur Frauen Kinder bekommen können. Ein Feminismus, der diese materielle Grundlage ignoriert, verliere seinen Kern, so Jacobsen.

Marie-Luise Vollbrecht, Biologin mit Schwerpunkt Verhaltens- und Neurobiologie, wurde selbst schon Ziel massiver Anfeindungen, als sie 2022 an der Humboldt-Universität zu Berlin einen Vortrag über die biologische Zweigeschlechtlichkeit halten wollte (siehe Die Causa Vollbrecht und das Kiwi-Emoji 🥝). Sie hält unbeirrt fest, dass die Verleugnung biologischer Unterschiede das politische Subjekt "Frau" unsichtbar macht und die historischen Wurzeln weiblicher Unterdrückung negiert.

Besonders bemerkenswert ist die Teilnahme von Till Randolf Amelung. Die transidentifizierende biologisch weibliche Person mit rechtlich männlichem Geschlechtseintrag ist seit 2024 im Vorstand der Initiative Queer Nations e. V. und gehört zu den Herausgebern des 'Jahrbuchs Sexualitäten'. Als sogenannter "Transmann" warnt Amelung eindringlich: "Durch die queerpolitischen Versuche einer Umdeutung des biologischen Geschlechts wirken wir Transpersonen jetzt so verpeilt wie Flacherdler. Damit erweist man uns einen Bärendienst!"

Gerade diese Mischung aus renommierter Frauenrechtlerin, zwei Wissenschaftlerinnen und einer kritischen Position aus transidentifizierenden Kreisen zeigt, dass es hier nicht um "Hass und Hetze" seitens rechtsextremer Ideologien geht, sondern um eine ernsthafte, innerlinke und wissenschaftsbasierte Auseinandersetzung. Alle vier vertreten Positionen, die biologische Realitäten ernst nehmen und die Folgen einer Entkopplung von Geschlecht und Biologie für Frauenrechte kritisch sehen. Doch das reichte bereits aus, um die Veranstaltung in Teilen der linken Szene als bedrohlich erscheinen zu lassen.

Debattenräume unter Druck

Dieser Vorfall ist bezeichnend für den postmodernen Zeitgeist. Eine politisch eher links zu verortende Veranstaltung wird nicht etwa von Rechtsextremisten im "finstersten Osten" sabotiert, sondern von Linksextremisten in der weltoffenen Kulturstadt Hamburg. "Linke außer Rand und Band" trifft es daher wohl am ehesten. Statt Argumente auszutauschen, setzen Aktivisten auf Druck hinter den Kulissen. Sie mobilisieren das soziale und wirtschaftliche Umfeld, um abweichende Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Besonders aufschlussreich – um nicht zu sagen ironisch – ist in diesem Kontext allerdings auch eine Formulierung aus der Stellungnahme der Veranstalter "Zum Versagen des kritischen Geistes": "Und dafür dämonisiert man notfalls auch andersdenkende Feministinnen, als seien sie Björn Höcke." Mit dieser lapidaren Formulierung bedienen die Veranstalter selbst dieselben ideologischen Mechanismen, die sie kritisieren. Björn Höcke (AfD) kann und sollte kritisiert werden. Ihn jedoch zum nächsten Reichskanzler zu stilisieren, wie es vermeintliche "Demokraten", große Teile insbesondere der "öffentlich-rechtlichen" Medienlandschaft und Linksextremisten (gibt es da überhaupt noch einen Unterschied?) tun, verhöhnt nicht nur die Opfer des Nationalsozialismus, sondern es handelt sich um dieselbe Rhetorik der Dämonisierung, der auch Marie-Luise Vollbrecht und andere Gender-Kritiker ausgesetzt sind. Sie zu dämonisieren ist falsch. Mindestens zu insinuieren, als wäre es bei oppositionellen Politikern akzeptabel, ist es ebenfalls. Statt sich mit Aussagen auseinanderzusetzen, werden sie als moralisch verwerflich gebrandmarkt, um sie aus dem Debattenraum zu verbannen. Diese Methode schadet letztlich jeder offenen Gesellschaft.

Der Vorfall zeigt, wie weit die Einengung der Debattenräume bereits fortgeschritten ist. Selbst innerhalb des linken Spektrums gilt Kritik an queerfeministischen Entwicklungen als Häresie. Eine Biologin, die die Zweigeschlechtlichkeit als wissenschaftliche Tatsache darstellt, eine Professorin, die auf die materielle Basis des Frauseins verweist, eine Frauenrechtlerin, die klare Begriffe für den Schutz von Frauen fordert, und selbst ein "Transmann" werden als extrem diffamiert. Dabei argumentierten sie letzten Endes auf Basis naturwissenschaftlicher Realitäten: Eine Frau ist ein adultes Menschenweibchen. Ein Weibchen befindet sich auf dem Entwicklungspfad in Richtung Eizellenproduktion. Daraus ergeben sich besondere Schutzrechte. Diese Definition ist nicht ideologisch, sondern folgt biologischen Fakten. Wer sie aufgibt, untergräbt die Grundlage für Frauen- und damit Menschenrechte.

Hoffnung auf Öffentlichkeit

Es bleibt zu wünschen, dass die Aufzeichnung der Diskussion später frei zugänglich sein wird. Die "Geiz-ist-geil-Mentalität" ist zwar abzulehnen und Massengeschmack.TV seien die Einnahmen, die qualitativ hochwertige Inhalte generieren, selbstverständlich gegönnt. Dennoch hat dieses Thema eine derart hohe gesellschaftliche Relevanz, dass eine Bezahlschranke genau das erreichen würde, was die Cancel-Aktivisten wollten. Diese Veranstaltung gehört gerade wegen des Versuchs, sie zu verhindern, umso mehr in die breite Öffentlichkeit. Nur transparente Debatten können ideologische Verhärtungen aufbrechen und zu einer fundierten Auseinandersetzung führen.

Fazit

Der gescheiterte Club Volantaire in Hamburg ist kein Einzelfall, sondern Symptom einer tieferen Krise. Wenn selbst linksliberale Formate, die innere Kritik üben, keinen Raum mehr finden, droht der öffentliche Diskurs komplett zu erstarren. Biologische Realitäten lassen sich nicht wegdefinieren. Frauenrechte brauchen klare Kategorien. Es wird Zeit, dass mehr Menschen für offene Debatten einstehen und Cancel-Versuche entschieden zurückweisen – unabhängig ihrer politischen Verortung.

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